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CASSANDRA WILSON
Glamoured Blue Note / Emi
| Kaum hatte man sich an die melodiösen Erfolgsalben von Cassandra Wilson gewöhnt, auf denen sie ihre frühe Zickigkeit zugunsten jazzmäßig gesungener, einstiger Pop-Hits und alter Bluessongs abgelegt hatte, kam Norah Jones und machte ihr den Platz als führende Jazz-Diva streitig. Ihr mädchenhafter Charme und die Spur Erotik in der Stimme ließen sie zur schärfsten Konkurrenz von Cassandra Wilson werden. Nun meldet die sich zurück, einmal mehr direkt aus dem schwärzesten Mississippi, wo die Aufnahmen entstanden, bevor sie in New York fertiggestellt wurden. Wie bei ihrem letztjährigen Album ist das Bluesfeeling die gemeinsame Klammer zwischen allen Songs. Die stammen, wenn sie nicht Eigenkompositionen sind, von Muddy Waters, Bob Dylan, Willie Nelson oder, ähem, Sting. Das Tempo ist traumatisch langsam, die Atmosphäre impressionistisch hingehuscht. Und die Wilson? Sie singt nicht nur mit jenem Sex-Appeal, der sie zur führenden Jazz-Diva macht, sondern auch mit einer erfahrungsgesättigten Stimme, der anzuhören ist, dass Cassandra Wilson weiß, wovon sie singt, wenn sie Lieder von Verlust, Liebe und Vergeblichkeit anstimmt. Norah Jones wird's mit Schaudern hören. Adrian Wolfen |