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COLDPLAY
Parachutes Emi
| Hierzulande sind Coldplay noch nahezu unbekannt, obwohl ihre EP "The Blueroom", die fünf zerbrechlich-kammermusikalische Pop-Skizzen enthält, auch bei uns - wenn auch mit Verspätung - veröffentlicht wurde. In Großbritannien dagegen gilt das Quartett schon seit letztem Jahr als großer Hoffnungsträger. Normalerweise weiß man, wie die Jubelarien in den britischen Musikzeitungen zu bewerten sind - als viel Rauch um Nichts nämlich. Aber im Falle von Coldplay darf man den Lobgesängen zustimmen. Vorausgesetzt, man mag Songs, die Melancholie und Romantik, Verzweiflung und Nachdenklichkeit zelebrieren, die dunkel, introvertiert und getragen sind und selbst in Momenten scheinbaren Übermuts und jugendlicher Energie nicht wirklich eine optimistische Sicht der Dinge transportieren. All dies findet man auf Coldplays Debutalbum "Parachutes" nun im Überfluss. Obwohl das von Ken Nelson (Gomez, Badly Drawn Boy) produzierte Werk mit dem beschwörenden Resumee "Everything's Not Lost", dem versöhnlichen Hidden-Track "Life Is For Living" und den beiden fast klassisch zu nennenden Britpop-Hymnen "Shiver" und "Yellow", anders als die durch und durch schwermütige EP auch hellere Momente enthält, sind Coldplay weiterhin wahre Meister in der musikalischen Umsetzung großer tragischer Gefühle. Doch im Gegensatz zu Radiohead, mit denen die Band oft verglichen wird, sind ihre bittersüßen Balladen und himmlischen Pop-Arien frei von Pathos und Larmoyanz. Und selbst die andere gern genannte Parallelband, Travis, klingt weniger tiefgründig als diese vier gerade mal 20 Jahre alten Jungs, die das Leiden zur Kunstform erheben. Doch eine rauschende Party werden sie jetzt trotz aller Schwermut wohl doch feiern, hat ihr Debütalbum in England doch auf Anhieb den ersten Platz der Charts erobert. Volkard Steinbach |