THE CRANBERRIES
Bury The Hatchet
Island / Mercury

Dolores` Babypause hat den Iren gut getan. Fernab vom Rock-Jetset fanden die Cranberries die Ruhe, neue Songs zu schreiben, die diese Bezeichnung im Gegensatz zum letzten Album "To The Faithful Departed" auch verdienen. Gleichzeitig erfolgte eine Reduzierung der musikalischen Mittel. Was auch bitter nötig war, denn wohin die Pomp-Arrangements und die betroffen-besoffenen Sozialkitsch-Texte noch hingeführt hätte, kann man sich auch mit wenig Fantasie ausmalen: "Zombie" im Pavarotti-Mix. "Bury The Hatchet" nun wieder beginnt luftig-leicht mit akustischen Gitarren, gewinnt gemächlich an Fahrt und rockt leicht dramatisch während der aktuellen Single "Promises", die dem bekannten Cranberries-Spiel mit emotionaler Steigerung plus Gitarrenlärm noch am nahesten kommt. Ansonsten kehrt man aber die sympathische Gitarrenpop-Band heraus, die in 3 1/2-Minuten Titeln den Melodien folkige Unbeschwertheit verleiht und gern mal in die Balladenkiste greift. Auch Dolores geht mit ihrer Stimmakrobatik wieder ökonomischer um als noch zuletzt. Natürlich hangelt sie sich ab und zu nochmal jubilierend durch die Oktaven, aber zumeist ist sie nur wieder der sanft intonierende Engel des noch immer besten Cranberries-Albums "Everybody Else Is Doing It, So Can`t We". Und wer kann zu einer derart süßen Verführung schon nein sagen?
Volkard Steinbach