CURSE
Sinnflut
Sony Music

Während dank freiwilliger Re-Asozialisierung immer mehr deutsche Rap-Alben auf dem Index für Jugendschutz landen, fragt sich mancher Fan der "alten" Schule: Wo bleibt Curse? Wir wollen wieder Rap mit Sinn und Verstand! Keine Sorge, der Mindener MC reagiert direkt mit einer ganzen "Sinnflut" und gibt in der pompös bouncenden Single "Gangsta Rap" sein Statement zur aktuellen Lage ab. Ansonsten klingt der 27-jährige, als hätte er schon drei ganze Leben hinter sich: Das dreiteilige Epos "Herbstwind" schleicht auf fein ziselierten Keyboard-Teppichen und Himmelsstreichern daher, während auf "Kein Weg Zurück" zuckersüße Glöckchen die späten Einsichten von Curse untermalen. Mit solchem Kitsch stößt der frühere Universal-Schlaumeier in die seichten Gewässer von Xavier Naidoo und Glashaus vor. Dieses religiös verbrämte Pathos ist umso ärgerlicher, da Curse mit seiner prägnanten Stimme und Flow durchaus das Potential für mehr hat. Enttäuschend!
Frank Krings