DR. JOHN
Creole Moon
Parlophone / Emi

Da lebt er schon seit Jahren in New York, wird gleichwohl aber immer noch mit der Musik seiner Heimatstadt New Orleans in einem Atem genannt. Kein Wunder, macht Dr. John nach kurzen, grammydotierten Exkursionen ins balladesk Großorchestrale doch immer wieder den speziellen Nawlins-Funk zum hintergründigen Stoff seiner Musik. Diesmal kommt er dem schwer synkopierten New Orleans-Funk so nahe wie lange nicht mehr. Der Bass pumpt, Bongos ballern, der Gitarrist ist auch fleissig, und unser Doktor kommt mit Texten über Zauberschwüre in schwülem Mondenschein. Vergessen ist die zu rockige, an dümmlichen Texten leidende "Television"-Sünde, vergeben der glatte Ellington-Tribute. Dafür werden Erinnerungen an Großtaten wie "Anutha Zone", "Funky New Orleans" oder "Gris Gris" und "Gumbo" wach. Man sieht, der Pianist mit der Krächzstimme kann viel vorweisen, und dafür hat sich der klitzekleine Mangel, dass diesmal Rhythmik zu großgeschrieben, Melodik dafür zu klein, auch schon erledigt. Move your ass - the rest will follow.
Adrian Wolfen