EINS ZWO
gefährliches halbwissen
Yo Mama / Rough Trade

1999 - das Jahr des deutschen Hip Hop? Genau das hat letztes Jahr auch jeder gedacht. Zeichen für eine kontinuierliche Weiterentwicklung, die Grenzen der Qualitätssteigerung sind noch nicht erreicht. Vorläufiger Höhepunkt nach der Absolute Beginner-LP: Eins, Zwo. Was DJ Rabauke und Dendemann auf ihrem Album abliefern, wurde so bisher noch nicht gehört. Endlich werden die Hip Hop-Wohnzimmer-Connaisseure, die sich mit Gang Starr schon im Cool Jazz-Himmel wähnten, cabriofahrende Baßbox-Beserker und fetischistische X-Large-Kopfnicker miteinander versöhnt. Denn diese Platte hat alles, was Hip Hop gut macht. Beats trocken wie Knäckebrot und knusprigfett wie Eisbeinschwarte. Dazu ein Sample, das Vinyl frisch unter der Nadel geschnitten und schon heißt es Bühne frei für Dendemann. Der hat eine Stimme wie ein gehetzter Martin Semmelrogge, rappt fließend und kantig mit der Attitüde eines früh gealterten Kindskopfs, der mit Unschuldsmiene großartig formulierte Unverschämtheiten rausschleudert. Derb, mit Stil und natürlich mal wieder aus Hamburg. Müßig, hier noch tolle Zitate zu bringen, von denen diese Platte nur so wimmelt.
Karl Koch