THE FLAMING LIPS
The Soft Bulletin
Wea

Diese Band aus Oklahoma City sorgte schon immer für Irritationen. Seit dem Debut '86 arbeiten die Flaming Lips an einer Stilisierung der 60er zwischen Bubblegum-Melodien, psychedelischen Sphärenklängen und kreischenden Gitarren. Manchmal hätte man sie verfluchen können, wenn sie mal wieder die schönsten Melodien seit Menschengedenken durch den Verzerrer trieben... Da grenzt es an ein Wunder, daß das neue Opus elegischen Wohlklang zelebriert. Zumindest vordergründig lockt "The Soft Bulletin" mit verführerischem Pianogeklimper, zarten Streichern, opulenten Chören und filigranen Harfen. Aber auch hier, wie bei Mercury Rev, ihren Brüdern im Geiste, steckt der Teufel im Detail. Trotz vollendeter Harmonien nebst Beach Boys-Referenzen ("Pet Sounds") lauern überall gemeine akustische Fallen. Da poltern unversehens rumpelige Hip Hop-Grooves vorbei, Wayne Coynes Kastratengesang schrammt haarscharf am rechten Ton vorbei und bei jedem Einsatz des Rock-Instrumentariums scheint der Tontechniker ins Delirium zu fallen. Alles dröhnt voll im roten Bereich. Doch glücklicherweise versagt in den meisten Fällen der eingebaute Selbstzerstörungs-Mechanismus. Und die genial exzentrische Verbindung von Sixties-Pop und Las Vegas-Atmosphäre schwebt butterweich auf psychedelischen Wolken ins Nirvana...
Volkard Steinbach