ALVIN "YOUNGBLOOD" HART
Start With A Soul
Hannibal / Tis

Vor einigen Jahren avancierte ein junger, rastalockiger Blueser zum Hoffnungsträger des Genres. Allein mit einer Gitarre sang mit beängstigender Leidenschaft und großem Können alte Standards und einige Neukompositionen ein. Ihm, Alvin "Youngblood" Hart, Autodidakt, nahm man es ab, dass er diese Klassiker mit neuem Leben erfüllte. Gleichzeitig wurde in der Szene immer wieder erzählt, dass er weitaus mehr kann, als alte Zwölftakter wiederzubeleben: in Konzertpausen spielte er schon mal alle möglichen Jingles nach, von "Bezaubernde Jeanie" hin bis zu "Bonanza". Dann überraschte er mit einem Album, auf dem es natürlich Leadbelly-Cover, aber auch Hawaiianisches und sogar ein Capt. Beefheart-Stück zu hören gab. Das Album bekam alle möglichen Preise - und nun geht die Reise Harts durch das musikalische Universum ungebremst weiter. Der Blues bleibt, sein Gesang verrät's, die Grundlage, aber ansonsten gibt's mit voller Bandbegleitung eingespielten Riffrock wie ihn die Stones machen, Mexikanisches mit Los Lobos-Anklänge, Soul mit Chören und abgedrehte Gitarrensoli, verfremdete Stimmen und Cocktail-Piano-Einwürfe über Texten, die die amerikanische Großstadt-Paranoia in düsteren Farben schildern. Ein pralles Album eines Künstlers, für den Weiterentwicklung eine innere Notwendigkeit darstellt.
Adrian Wolfen