JAMES
Millionaires
Mercury

Die Karriere der britischen Formation verlief keineswegs gradlinig. 1983 gegründet, tauchte das Quartett um den zu pathetischen Phrasierungen, überdrehten Wortreihen und spirituellen Botschaften neigenden Vokalartisten Tim Booth erstmals 1987 im Rampenlicht auf, als Morrissey James zu seiner Lieblingsband kürte. Trotzdem gelang der Durchbruch erst nach drei Alben in der Folge der Manchester-Rave-Welle. Besonders viel verband James jedoch nicht mit Happy Mondays, Primal Scream und Co., weshalb sie, unabhängig von den jeweiligen Modewellen, auch die ganzen 90er hindurch Erfolge in der britischen Popszene feiern konnten. Experimentelle Versuche, sich vom arrivierten Konzept zu entfernen, etwa auf den Alben "Wah Wah" und "Whiplash", stießen hingegen bei den Fans auf wenig Gegenliebe. Deshalb braucht man sich nicht zu wundern, dass James auf "Millionaires" kein Risiko eingehen und mit hymnischem Pop große Gefühle beschwören. Quirlige Songs mit euphorischen Melodien wechseln dabei mit beschwörenden Balladen. Und Existenzialist Tim Booth, immer auf der Suche nach letzten Antworten, kleidet seine Obsessionen, Frustrationen und Depressionen wieder in euphorische Refrains, die eher zum fröhlichen Singalong denn zur andächtigen Anteilnahme animieren.
Volkard Steinbach