JIMMY EAT WORLD
Bleed American
Motor / Universal

Es ist eines dieser Wunder der Musikbranche. Trotz unverkennbaren Potentials wurden Jimmy Eat World nach dem letzten Album von ihrem Label gedropped. In Deutschland wurde "Clarity" gar nicht erst veröffentlicht. Trotzdem tourten sie hier durch ausverkaufte Clubs. Die grandiose Single "Lucky Denver Mint" lief im Fernsehen. Und jetzt kommt "Bleed American", für uns quasi als Debüt, obwohl es die Band bereits seit 1994 gibt. Damals starteten sie als Metallica-Coverband. Wovon man heute allerdings gar nichts mehr hört. Um mal stilistisch eine Hausnummer anzumelden: Jimmy Eat World liegen zwischen Wheatus und Emo-Core. Aber machen ihre ganz eigene US-Alternative-Powerpop-Rubrik auf. Härter, straighter und rockiger als auf "Clarity" (das es inzwischen auch hier gibt). Das heißt: Die teilweise anspruchsvollen Strukturen sind größerer Eingängigkeit gewichen. Es fühlt sich manchmal so an, als sollte mit Gewalt der Ohrwurm aus jedem Song gekitzelt werden, weshalb "Clarity"-Fans das neue Opus streckenweise als platt empfinden könnten. Aber egal: "Bleed American" ist eine große Platte, die den Glauben an gute Musik zurückbringt. Mehr davon!
Stefan Piontek