LB
Pop Artificielle
Kk / Rough Trade

Das Tracklisting liest sich wie eine übel mißglückte Compilation: "Angie", "Ashes To Ashes", "The Future", "Sunshine Superman", "Silence Is Golden", "Superbad". Aber nach wenigen Minuten wird mal wieder klar: Der Song im Pop zählt nichts, die Performance ist alles. Denn dies ist wahrer Electronic-Soul. Um einen ungefähren Eindruck zu bekommen, sollte man sich nur mal vorstellen, die oben genannten Tracks wären von Autechre, Aphex Twin, Air oder Boards Of Canada eingespielt worden. Doch der Mann hinter diesem Projekt heißt Uwe Schmidt, ist Deutscher und lebt in Chile. Der Abgegriffenheit und Nostalgie der Originale begegnet er durch extrem unterkühlte Arrangements. Seine Vocals werden nicht gesungen, sondern als Rohmaterial von einem Programm wieder synthetisiert. Doch gerade diese extreme Distanzierung läßt seltsamerweise neue Emotionalität entstehen. So ist lbs "Jealous Guy"-Version wohl die einzige, in der man die Zeile "I'm sorry that I made you cry" ernst nehmen kann. Songs für Tokyoter Automaten-Bordelle, in denen Roboterkatzen rollig durch die Gänge schleichen.
Karl Koch