THE MAGNETIC FIELDS
69 Love Songs
Circus / Zomba

Gemeinhin gilt ein Dreifachalbum als kommerzieller Selbstmord. Vor allem wenn man noch nicht mal einen Adels-Status á la Prince vorweisen kann, sondern einfach nur Stephen Merrit heißt. Hierzulande nahezu unbekannt, hat das New Yorker Mastermind der Magnetic Fields jetzt unglaubliche 69 (jawohl) Love-Songs herausgebracht. Mit enzyklopädischer Weitsicht wird auf drei Stunden Spielzeit das Thema "Liebe" in allerlei Stadien und aus verschiedenen Perspektiven verhandelt. Ein Drittel der Songs läßt Merrit von Gastsängern vortragen. Das erweitert die Sichtweise und lockert auf. So wird man in seinem Liebestaumel im Kielwasser von Johnny Cash, Lee Hazlewood und Serge Gainsbourg nicht alleine gelassen. Obwohl Lo-Fi produziert, entfalten sich Räume für die großen Unterschiede in den Songs. Da wird mal die Ukulele, das Banjo oder ein Pump-Organ zum führenden Instrument, mal klingt es wie britischer Synthie-Pop der frühen 80er und dann wieder wie eine große Country-Revue. Brian Wilson, Lou Reed und Neil Tennant gehören bereits zu Merrits Bewunderern. Also: nicht abschrecken lassen von der Masse des Materials!
Johnny Lipps