NEW ORDER
Get Ready
London / Wea

Schon geschickt, wie New Order sich in ihrem aktuellen Video zu "Crystal" von ausgesucht hippen Jungspunden doublen lassen. Würde mich nicht wundern, wenn tatsächlich Teenies sich die New Order-Platte zulegen, im Glauben, das sei eine ultrasüße neue Combo. Und wenn man's nicht besser wüßte: Mit der zeitlos jungen Stimme Bernard Sumners und dem derzeitigen 80s-Revival kämen die Schlingel von New Order damit sogar fast durch. Gitarrenlastiger denn je präsentieren sie sich, ein Song wie "Primitive Notion" könnte fast schon noch als Joy Division entstanden sein und arbeitet sich durch geschickte Arrangementtricks bis ins Rave-Zeitalter vor. Muss man gehört haben. Dazu haken sich Peter Hooks Bassmelodien als Markenzeichen wie gewohnt ins Ohr, Billy Corgan als Gastsänger, Melancholie allerorten, und wieder das einzigartige New Order-Gefühl: Melodien und Textzeilen, die, beim ersten Mal überhörbar, sich zu Gefährten fürs Leben entwickeln können. So frisch kommen New Order nach 20 Jahren daher, dass pure Geldnot als Grund für ein neues Album ausscheidet. Es wird die Lust gewesen sein.
Karl Koch