BETH ORTON
Central Reservation
Heavenly / Bmg

Die britische Künstlerin wird von der heimischen Presse mit seltsamen Titeln geschmückt: "Comedown Queen" oder "Queen of the Heartbreak Vocal". Ihren eindringlichen Vortrag kennen elektronisch gefärbte Gemüter von beiden Chemical Brothers-Alben. Er erinnert stark an Tracey Thorn von Everything But The Girl und empfiehlt sie als kommende Gastsängerin bei Massive Attack. Auf ihrem zweiten Solo-Werk werkelt Beth Orton an einer bittersüßen Folkvariante, die sie behutsam aufmöbliert. Produktiv rangeln Streicher und Akustikgitarre um Dominanz, während die Stimme der Sängerin von Note zu Note fließt. Die Lieder klingen sehr privat, vermitteln ein intensives Hörerlebnis. Viel Prominenz saß an den Reglern: Victor Van Vught produzierte eine Hälfte des Albums, Dr. Robert mischte ein Lied ab und Ben Watt zeichnet für zwei typische Everything But The Girl-Songs verantwortlich (unbedingt in "Stars All Seem To Weep" hineinhören). Die Platte hat die angenehme Melancholie eines Sonntagmorgens. So wunderschön, daß einem das Herz zusammenkrampft.
Ulf Lippitz