RADIOHEAD
Kid A
Emi

Kaum ein anderes Werk einer Rockband wurde in den letzten Jahren als ähnlich einflussreich eingestuft wie "OK Computer" von Radiohead. Die Leser des britischen "Q"-Magazins wählten gar den 1997 erschienenen 4,5-Millionenseller zum besten Album aller Zeiten. Entsprechend hoch sind die Erwartungen ans neue Opus. Man muss schon ziemlich mutig sein, um unter diesen Vorzeichen einen solch gewagten Stilschwenk vorzunehmen, wie die Mannen um Thom Yorke mit "Kid A". Aber Veränderung ist eine Stärke von Radiohead, die ja mal mit zwei Rockalben ihre Karriere als Britanniens Antwort auf Nirvana starteten. War "OK Computer" mit seinen komplexen, psychedelischen Pop-Epen schon kein Rockalbum im herkömmlichen Sinne mehr, so ist "Kid A" Anti-Rock jenseits des Song-Schemas. Eher muss man von atmosphärischen Klangexperimenten sprechen, die mit waghalsigen Studiotüfteleien, hypnotischen Loops und sphärischen Arrangements in die Nähe zu den Phantasien eines Brian Eno oder Aphex Twin rücken. Passend dazu setzt Thom Yorke seinen zerbrechlichen Passionsgesang meist als zusätzlichen Klangfärber ein, während Gitarren, Bass, Keyboards und Schlagzeug nur selten im Vordergrund stehen. Aber auch ohne potenziellen Pop-Hit wird "Kid A" seinen Weg an die Spitze der Charts machen, denn egal wie künstlich und künstlerisch dieses Bombardement musikalischer Einfälle auch sein mag, Radioheads neue Klangvisionen haben das Zeug zum Klassiker!
Volkard Steinbach