R.E.M.
Reveal
Wea

Liest man derzeit Rückblicke auf die Karriere dieser Band aus Athens/Georgia, so fällt auf, dass Kritiker den größten Erfolg von R.E.M., "Out of Time", gerne als kreativen Tiefpunkt abtun. Was natürlich auch damit zu tun hat, dass Kritiker so richtig erfolgreiche Popkünstler eigentlich nicht mögen. R.E.M. sind da eher die Ausnahme. Vielleicht, weil sie so lange bis zur Spitze des Pop-Olymp gebraucht haben, nicht nach L.A. gezogen sind, keine Starallüren zeigen und nach "Out Of Time" alles daran gesetzt haben, möglichst viele der neuen Mainstream-Fans wieder loszuwerden. Was nur bedingt gelang, wie man unlängst bei ihrem Free-Concert am Kölner Dom vor 70.000 Leuten erleben konnte. Auch "Reveal", das 12. Studioalbum von Stipe, Buck und Mills, stößt keine Fans vor den Kopf - nur diejenigen, die R.E.M. als Rockband erleben wollen oder sich nach jenem typischen Byrds`chen Gitarren-Sound ihrer Anfangszeit sehnen. Den gibt es nur einmal in Form der Single "Imitation Of Life". Ansonsten schwelgen R.E.M. in schönen Liebesballaden haarscharf am Kitsch vorbei, bauen fragile Schleicher und zelebrieren bittersüße Popsongs mit Harmonien, die (hoppla) an die Beach Boys erinnern und auch bei der Auslastung der Tonspuren "Pet Sounds" alle Ehre machen. Trotz des Sentiments und der unterschwellig immer vorhandenen Melancholie verströmen die Songs eine unerwartete Leichtigkeit des Seins - Stipe scheint verliebt und mit sich und der Welt im Reinen.
Volkard Steinbach