R.E.M.
Around The Sun
Warner

Drei Jahre nach dem unbeschwerten "Reveal" ist es nun wieder vorbei mit der Leichtigkeit des Seins. R.E.M.s jüngster Wurf ist stark von der derzeitigen Weltlage beeinflusst. Statt jedoch ihre Wut über die Politik der Bush-Regierung in lärmend kämpferischen Rocksongs zu artikulieren, haben sie, verstärkt durch Rapper Q-Tip (A Tribe Called Quest), ein durchweg ruhiges Album aufgenommen. Weil folkgefärbte Akustik-Stücke und Balladen mit beschwörenden Melodien dominieren, kann man endlich auch Stipes genuschelte Verse verstehen. So werden wir Zeuge klarer politischer Botschaften und rätselhafter Liebeserklärungen ("Leaving New York"), erfahren was über die "Wanderlust" und stellen uns einmal mehr die Frage, wie es R.E.M. immer wieder schaffen, Melancholie, Niedergeschlagenheit und Hoffnung unter einen Hut zu bringen. "Around The Sun" ist ein großes R.E.M.-Album, wohl ihr bestes seit 1990. Bush sei Dank!
Volkard Steinbach