ROMANTHONY
R. Hide In Plain Site
Pias / Connected

Sie sieht aus wie ein obskure Importscheibe, und einsortiert die "House"-Abteilung der Plattenläden wird sie wohl nur die Kenner erreichen. Dabei gehört diese Scheibe in die Schaufenster-Auslage! Riesige Aufsteller! Dauerrotation! Plakate bis zum Horizont! Denn Romanthony ist ein großartiges Album gelungen. Man brauche sich nur vorzustellen, wie Prince klänge, würde er seine ersten drei Alben noch einmal auf einer kleinen 8-Spur-Maschine einspielen und alle nervigen Stimm-Manierismen weglassen. Romanthony beherrscht die Tanzmusik nach Belieben. Sommerliche Club-Hymnen, trockene James Brown-Stakkati, schummrige Satin-Balladen oder seelenvoller Deep House: Kein Stil, in dem Romanthony nicht sicher und zugleich originell zu Werke geht. Der Durchbruch wird dem House-Songwriter mit diesem Album nicht unbedingt auf direktem Wege gelingen. Doch wem dies alles noch zu schwarz ist, der wird sich spätestens bei Romanthonys Gastauftritt auf dem heiß erwarteten neuen Daft Punk-Album schämen, diese Platte ignoriert zu haben.
Karl Koch