SILVERCHAIR
Diorama
Eastwest Records

Was zum Teufel ...? Was für ein Opener: Silverchair als vollsymphonische 70s-Bombastrocker!!! Noch mehr Harmoniewechsel als bei Steely Dan!!! Gestopfte Trompeten und Streichorchester!!! Dazu schwoft das Jugendheim im Klammerblues. Respekt: Eine Band befreit sich aus dem Würgegriff des ewigen Grunge - und wird dafür von ihren Fans wahrscheinlich gnadenlos bestraft werden. Die Single "The Greatest View" deutete es schon an: Silverchair wollen erwachsen werden, auch wenn das heißt, dass Sänger Daniel manchmal furchterregend knödelt. Und so beherrschen songwriterlastige Balladen dies Album, der Verzerrer bleibt meist aus, Klavier wird gegen Gitarre getauscht. Silverchair haben für "Diorama" verschüttete Entwicklungen des Westcoast-Pop der 70er angezapft. Das wirkt alles noch ein wenig unreif und gewollt, aber immerhin: eine Geste der Verweigerung.
Karl Koch