PATTI SMITH
Gung Ho
Arista / Bmg

Veröffentlichungen alter Rock`n'Roll-Helden sind oft mit Vorsicht zu genießen. Denn nur wenigen (Neil Young, Lou Reed, Iggy Pop, David Bowie) gelingt es, neue Akzente zu setzen oder Altbewährtes unpeinlich zu rekapitulieren. Patti Smith gehört mit Sicherheit zu jenen Legenden, von denen man gerne wieder ein Lebenszeichen hört. "Gung Ho", das sie mit ihrer Band um Lenny Kaye und den Gästen Michael Stipe, Tom Verlaine und Grant Hart eingespielt hat, ist ein brillantes Album, das ihrem Ruf als Ikone des amerikanischen Rock voll gerecht wird. Wie schon auf dem vor zweieinhalb Jahren veröffentlichten "Peace And Noise" vermeidet die fragil wirkende Künstlerin jene "Angry Young Woman-Attitüde", mit der sie in den späten 70ern für Furore sorgte. Gleichwohl versucht sie nicht, ihre Kunst neu zu erfinden. Trends, Moden oder gar aktuelle Produktionstechniken spielen keine Rolle. Ganz dem alten Rock`n'Poesie-Konzept verbunden, paart die 53jährige nachdenklich stimmende Lyrics mit altersweisem Rock, der jedoch unter ihrer dynamischen Bearbeitung kein bißchen angestaubt klingt. Diese Musik bringt dich auf die Beine oder bricht dir das Herz - mal geradlinig über schroffe Gitarren-Riffs artikuliert, mal inszeniert als bitter-süße Ballade.
Volkard Steinbach