SOULWAX
Any Minute Now
Pias

Wieviel Sound passt in eine Sekunde Musik? Hört man die ersten zwei Stücke der mittlerweile dritten Soulwax-CD, meint man 30 Jahre Rock komprimiert durchs Trommelfell gedrückt zu bekommen. Als ob Queens Of The Stone Age die erste Daft Punk nachspielten. Neben der Erfahrung der alles verschlingenden Sample-Orgien der beiden Dewaele-Brüder als 2 Many DJs dürfte an dieser bombastischen Opulenz auch Producer Flood (Nine Inch Nails, Smashing Pumpkins) nicht ganz unschuldig sein. Doch dann lichtet sich die Soundwand und das sich langsam aufschichtende "Please ... Don't Be Yourself" mit monoton dräuendem DAF-Bassfundament lässt Zeit, die Einzelheiten des ziemlich verdüsterten Soulwax-Sounds zu genießen. Großindustriell, elektronisch, verspielt, und doch straight, so drücken die Rock-Songs von Soulwax gewaltig aus den Boxen. Eigentlich gar nicht schön, so was. Was diese Platte rettet, sind die Ausflüge ins Groovende, die Erfahrung des Dancefloors, der diese schweren Brocken zum Schwingen bringt. Für Entspannung sorgen dann auch die spärlich instumentierte Ballade à la John Lennon "A Ballad To Forget", eine fröhliche Hi-Energi-Disco-Daft-Punkerei sowie der Sonic Youth-meets-Glamrock-Shuffle "YYY/NNN". Doch muss sonst diese fette Rock-Bratzigkeit die ganze Zeit sein?
Karl Koch