STRAW
Shoplifting
Wea

Wenn die britische Presse eine neue Band in den Himmel lobt, ist Vorsicht geboten. Denn was als Pop in Vollendung gepriesen wird, entpuppt sich meist doch nur als schaler Aufguß. Auch Straw können den ganzen Medienrummel nicht ganz rechtfertigen. Denn was das Quartett aus Bristol an Stilen und Einflüssen zusammenmixt, ist doch nur geklaut. Aber gut geklaut. Es spricht für die Band, daß sie daraus keinen Hehl machen und ihr Debut ironisch "Shoplifting" nennen. Wie überhaupt Humor eine gewichtige Rolle spielt. Die Melodien sind reinster Bubblegum, die Arrangements purer Kitsch und die melodramatischen Stimmungen oft jenseits der Schmerzgrenze. Das ist Space-Pop im Yellow Submarine, glamourös und Sixties-verliebt. Ein Klanggewitter aus Beatles-Zitaten und herzzerreißenden Chören, melancholischen Balladen und hüpfenden Grooves. Aber selbst Skurrilitäten wie eine singende Säge wären allenfalls eine Fußnote wert, wenn Straw ihre in bunten psychedelischen Farben gemalte Phantasiewelt nicht mit tollen Songs füllen würden. Was das anbelangt, liegt die britische Presse mit ihrem deklamierten "Pop in Vollendung" dann doch nicht völlig daneben.
Volkard Steinbach