TRAVIS
The Man Who
Epic / Sony Music

Für ihr Debut "Good Feeling", das die schottische Band '97 aus dem Nichts in die Charts katapultierte, gab es viel Lob - auch wenn manche Kritiker nicht damit zurecht kamen, daß Travis heftige Rocknummern mit fragilen Balladen mischten. Seitdem gilt das Quartett als musikalisch schizophrene Band. Was natürlich Blödsinn ist, denn unzählige Gruppen stolpern auf ihren Platten zwischen schnell und langsam, hart und sanft. Gleichwohl haben sich Travis auf "The Man Who" vom Sturm und Drang-Anteil des Vorgängers weitgehend verabschiedet. Der Grund für den Richtungswechsel: Liebeskummer. Fran Healey, Sänger und Songschreiber der Gruppe, hat seinen Trennungsschmerz sowie Verlust- und Versagensängste in bittersüße Balladen gegossen, die über alle Kitschabgründe hinwegschweben und Melancholie zelebrieren, bis das Herz blutet. Die Melodien sind unwiderstehlich, die fragilen Arrangements betörend und Healeys zart klagende Stimme so ergreifend, daß man nur mit einem Eisherz seinen unverbesserlichen Romantizismen widerstehen könnte. Was man jedoch tunlichst vermeiden sollte, wollte man nicht eine der schönsten Platten des Jahres verpassen.
Volkard Steinbach