WILCO
Yankee Hotel Foxtrot
Nonesuch / Wea

Ob das jetzt das Meisterstück von Wilco ist, wie behauptet, läßt sich gar nicht so leicht sagen. Auch die alten Roots-Werke, die mit ihrem Mix aus Country, Folk, Bluesgrass und Rock an Jeff Tweedys alte Kapelle Uncle Tupelo erinnerten, hatten ja ihren Reiz. Nicht zu vergessen "Summer Teeth", das die Hinwendung zum Pop und zu Beatles- und Beach Boys-Einflüssen markierte. Dennoch: "Yankee Hotel Foxtrot" ist aus anderem Holz geschnitzt. Klar gibt es noch melancholischen Folk, klassischen Country-Rock und diverse leichtfüßige Gitarrenpop-Songs wie das an Fleetwood Mac erinnernde "Kamera". Aber selbst bei diesen melodischen Nettigkeiten sorgen seltsam schabende und fiepsende Elektronik-Sounds für Verwirrung. Bei den epischen Stücken, dem schluffigen Opener, dem düsteren Poem "Radio Cure" und dem sphärischen Seelenstrip "Ashes Of American Flags" experimentieren Wilco und ihr genialer Studiobeistand Jim O'Rourke derart avantgardistisch mit den Möglichkeiten elektronischer Gerätschaften, als stünden sie wie Musiker in den späten 60ern unter LSD. Und es wird noch spaciger: "I'm The Man" erweist sich mit Acid-Gitarre auf druckvoller R&B-Basis als geniale Sixties-Referenz, und "Poor Places" sowie "Reservations" sind bunte kleine Psychedelia. Meisterwerk oder nicht? Zumindest decken Wilco gekonnt die gesamte Palette zwischen zickiger Schräglage und melodischem Wohlklang ab.
Volkard Steinbach