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KELLY WILLIS
What I Deserve Rykodisc / Rough Trade
| Die Parallelen sind offensichtlich. Wie Kollegin Lucinda Williams ist auch Kelly Willis eine Alternative-Country-Sängerin, deren Talent lange Jahre im Verborgenen schlummerte. Sechs Jahre stand Kelly Willis ohne Plattenvertrag da, weil ihre Songs einfach nicht den amerikanischen Kriterien an kommerzielle Country-Musik entsprachen. Sie hat zwar diesen typischen nasalen Kiekser in der lasziven Stimme, und Slide-Gitarren und Fiddle werden als traditionelle Klangfärber oft eingesetzt, aber das bedeutet nicht, daß sie auf ihrem vierten Album Zugeständnisse an den sentimentalen Schmus á la Nashville macht. Zusammen mit ihrer Band hält sie die Balance zwischen Country klassischer Schule, zeitlosen Singer/Songwriter-Werten und melancholischen Barroom-Schleichern. Am weitesten vom Country-Terrain entfernt sie sich, wenn sie Songs von genrefremden Autoren interpretiert. Paul Westerbergs "They`re Blind" wird so zur ergreifenden Rockballade, bei der Gitarrist Chuck Prophet sein ganzen Können zeigt, und Paul Kelly`s "Cradle Of Love" ist fast schon eine kleine Pop-Hymnen. Bei einer derartigen Klasseleistung ist zwar nicht damit zu rechnen, daß Kelly Willis jetzt Tausende von Platten verkauft, aber einen ähnlichen Karriereschub wie Lucinda Williams nach ihrem Album "Car Wheels On a Gravel Road" hätte auch sie mehr als verdient. Volkard Steinbach |