WU-TANG CLAN
The W
Loud / Sony Music

Na, wer hatte ernsthaft noch damit gerechnet, daß ein drittes Wu-Tang Clan-Album erscheint? Nachdem Werke aus dem Clan-Umfeld letzthin nicht immer überzeugten, ist dem 9-köpfigen Team nun ein mehr als respektables Comeback gelungen. Der RZA hat seinen "Bobby Digital"-Größenwahn offensichtlich überwunden (wie schon beim Soundtrack "Ghost Dog" zu hören) und bietet wieder mysteriöse, rauhe und ungeschliffene Sounds, die weitab von dem liegen, was andere Produzenten so anzubieten haben. Diesmal sind die Backing-Tracks auch deutlich minimalistischer als zuletzt, teilweise ganz auf die Original-Samples ohne Drum-Overdubs reduziert. "I Can't Go To Sleep" könnte etwa mit dem ellenlangen Part aus Isaac Hayes' Version von "Walk On By" zum Hip Hop-Stück mit dem längsten Sample aller Zeiten werden. Einen Hit müßte der Wu-Tang Clan eigentlich mit dem flotten und eingängigen "Gravel Pit" einfahren, der mit weiblichen Background-Chören auf Radiotauglichkeit getrimmt ist, aber trotzdem die typisch abgedrehte Atmosphäre der Band ausstrahlt. Meistens geht es jedoch kantiger und brüchiger zu, was durch Gastauftritte von Redman, dem allgegenwärtigen Busta Rhymes, Nas und Junior Reid begleitet wird. Während man sich fragt, inwieweit der Old Dirty Bastard (dem das Album gewidmet ist) hier beteiligt war, hat sich erstaunlicherweise auch G-Funker Snoop Dogg zu einem merkwürdigen Duett mit dem ODB im Studio sehen lassen. Wenn man sich "The Conditioner" anhört, darf man sich allerdings fragen, ob irgendeiner mit diesem Stück wirklich zufrieden sein dürfte? Zusammen mit dem schmalzigen "Jah World" bleibt dies allerdings einer der wenigen Ausrutscher. Insgesamt meldet sich eine einmalige Hip Hop-Band eindrucksvoll zurück.
Mr. Chekov