THEATER

Sex, Crime & Hoffnung

»Eine Sommernacht« im TAM

Drei Leute und sechs Gitarren tummeln sich auf der mit allerlei Krimskrams vollgestellten Bühne. Einer, Arthur Giesbrecht, sagt gar nichts, sondern zupft nur mal hier und mal da die Musik zu dieser sehr traurigen und sehr lustigen Liebeskomödie im verregneten Edinburgh an einem Mittsommernachts-Wochenende. Die anderen beiden, Nicole Lippold und Guido Wachter, reden anfangs schlecht über sich und übereinander, stellen sich als mittelalte Loser so um die 35 vor, und erzählen mit komischen Abweichungen davon, wie sie sich kennenlernten. Bob ist ein alerter Kleinkrimineller mit dem schlecht verheilten Traum, einmal als Straßenmusiker auf das Festland zu kommen. Helena ist eine graumausige Scheidungsanwältin mit einer verheirateten Affäre und einer Flasche Wein zu viel.

"Wollen Sie mir beim Austrinken helfen?" fragt sie Bob in der Bar. "Wollen sie folgenlosen Sex für eine Nacht?" versteht er, und niemand nimmt ihm den Machismo übel, weil er sich schon vorher als Würstchen eingeführt hat, das wegen verbockter Deals regelmäßig von seinen Geschäftsfreunden eins aufs Maul kriegt. Irgendwie kommt es doch zur ersten Nacht miteinander, und in der Wirklichkeit wäre die Geschichte damit vorbei.

Auf dem Theater aber setzt ein Zauber ein, unterstützt von den Gesangseinlagen der wider alle Vernunft Verliebten, der Helena und Bob in einen verrückten Midsummer-Dream führt, der durchaus entfernt an Shakespeare erinnert. Bob gerät nach der ersten Trennung in neue Händel mit dem Autoschieber-König und aus Versehen an eine Plastiktüte voller Geld. Helena crasht als übernächtigte Brautjungfer die Hochzeit ihrer Schwester, und plötzlich haben sich Bob und Helena wieder am Hals. Plötzlich scheint alles möglich, was abgehalfterte Versager nur aus Hollywood-Rom-Coms kennen und über das sie sich weltweise erstmal auch nur lustig machen können. Kopfüber stürzt Regisseur Christian Schlüter die beiden in eine turbulente Nacht voller Musik, Sekt und Hummer und aberwitziger Verwicklungen.

Dass die gut ausgehen, ist Komödiengesetz. Und dass die befreite Frau dem befreiten Mann folgt, nehmen befreite Frauen träumend gerne hin.

Schließlich ist sie klug genug, für beider Trip auf den Kontinent schon mal die Hotels vorab zu buchen.

Maria H.