Bergab

Waldfrieden

Die Initiative MTB Bielefeld setzt sich für legale Downhillstrecken ein. Gründungsmitglied Johannes Blomeyer hat uns erzählt, wieso alle Waldnutzer etwas davon hätten

Regelmäßig kommt es in den bewaldeten Gebieten rund um Bielefeld zu ungewollten Aufeinandertreffen zwischen zwei ganz unterschiedlich gearteten Spezies. Die einen wandern, spazieren oder bummeln gemütlich die Wege entlang, die durch die Baumbestände angelegt worden sind, und die anderen haben Spaß daran, ihre eigenen Wege im Wald zu hinterlassen. Die Begegnungen zwischen Fußgängern und Mountainbikern enden nicht selten in Streit und im schlimmsten Fall sogar mit Verletzungen.

Deshalb gibt es seit August 2012 eine Initiative, die sich dafür einsetzt, dass es anstatt der ärgerlichen illegalen Strecken, die an immer neuen Stellen entstehen, irgendwann ganz legale Strecken gibt, die schon mal den einen Vorteil haben sollen, dass sich Fußgänger und Radfahrer nicht in die Quere kommen, denn das nähme schon einmal viel vom negativen Image weg, das den Mountainbikern anhaftet.

Der Anlass für die Gründung der Initiative hatte aber tatsächlich mit solch einer Begegnung zu tun, erzählt Johannes Blomeyer: "Ich bin an einer illegalen Strecke vorbeigekommen, die gerade abgebaut wurde und bin mit den Leuten ins Gespräch gekommen." Einer dieser "Abbauer" war Erhard Oehle vom Forstbetriebsbezirk Bielefeld, der Blomeyer erklärt hat, dass die illegalen Strecken nicht in Ordnung sind, denn im Laufe der Zeit haben sich sehr engagierte Fahrer mit immer aufwändigeren Strecken, Rampen, aufgehäuften Bäumen und ähnlichen Eingriffen im Wald verewigt. Aber wenigstens hat er nicht nur gewettert, sondern aus dieser Begegnung ist schon eine Menge entstanden, so hatte die Initiative die Möglichkeit, ihr Anliegen beim Sportausschuss der Stadt Bielefeld vorzustellen.

Doch das schlechte Image ist nicht so leicht abzuschütteln, sprechen doch viele Punkte gegen das offensive Fahren im Wald. Neben den möglichen Zusammenstößen mit anderen Waldnutzern kommt, wie schon erwähnt, hinzu, dass der Wald geschädigt wird, wenn die wilden Strecken sich bei den Fahrern etablieren. Zudem haftet in privaten Wäldern der Besitzer dafür, wenn sich ein Fahrer verletzt, auch wenn er es verbietet. Das hält natürlich Besitzer, die grundsätzlich kein Problem damit hätten, wenn die Moutainbiker ihren Wald nützten, davon ab, es den Fahrern zu erlauben.

"Die Verletzungsgefahr ist schon gegeben", so Johannes Blomeyer, "aber da ist es wie in vielen anderen Sportarten auch: man muss lernen, sich und sein Können selbst einzuschätzen." Und genau hier möchte er mit der Initiative ansetzen: "Wenn es in der Umgebung legale Strecken gäbe, dann hätte man die Möglichkeit, den Nachwuchs besser auszubilden, bevor Anfänger sich einfach alleine im Wald versuchen." Auch mit der professionellen Unterstützung der Stadt beim Bau der Strecken könnten viele gefährliche Probleme schon am Anfang in den Griff bekommen oder beseitigt werden.

Da es diese legalen Strecken aber noch nicht gibt, treffen sich die Mountainbiker regelmäßig auf Strecken im Sauerland oder auch in Hannover. Ein Aspekt, den Johannes Blomeyer und die Initiative durchaus auch in das Konzept aufgenommen hat: "Die legalen Strecken wären ein tolles Angebot, um Bielefeld als Naherholungsstandort aufzuwerten, es hätte für den Tourismus, aber auch beispielsweise für die ansässigen Fahrradgeschäfte positive Auswirkungen."

Noch steht nichts fest, konkrete Strecken sind nicht geplant, aber die Initiative ist mittlerweile Teil des Bielefelder Radsportvereins RC Zugvogel, der sie bei der Verwirklichung einer legalen Strecke unterstützen möchte. Außerdem lassen sich diese Anliegen mit einem Verein im Rücken viel leichter bei den wichtigen Ämtern und Behörden kommunizieren, leichter als mit einer Handvoll Privatpersonen.

Sacha Brohm

mtbbielefeld.wordpress.com